Schizophrenie

Was ist eine Schizophrenie?

Die Schizophrenie ist eine psychische Erkrankung, bei der die Wahrnehmung, das Denken, die Gefühle und das Erleben der eigenen Person der Erkrankten stark verändert sind.

Die Betroffenen durchleben im Rahmen einer Schizophrenie häufig eine akute Psychose, in der sie neben anderen Symptomen insbesondere unter Wahrnehmungsstörungen wie Halluzinationen und Wahnvorstellungen leiden. Häufig fühlen sie sich verfolgt oder von anderen Menschen beeinflusst. Manche verlieren den Bezug zur Realität fast vollständig.

Psychosen kommen meist in Phasen vor und sind in aller Regel vorrübergehend. Manche Patienten erleben eine solche Akutphase nur ein oder zwei Mal. Andere müssen immer wieder oder auch dauerhaft mit der akuten Symptomatik leben und benötigen viel Unterstützung und Verständnis durch ihre nächsten Angehörigen.

Akute Phasen einer Schizophrenie deuten sich oft eine längere Zeit vorher an. Zu den spürbaren Symptomen gehören u. a. eine gewisse Ruhelosigkeit, Angespanntheit, Schlaflosigkeit sowie Konzentrations- und Gedächtnisprobleme. Auch können erste, leichte Halluzinationen wie Stimmenhören wahrgenommen werden.

Welche Formen der Schizophrenie gibt es?

Es gibt verschiedene Formen der Schizophrenie mit jeweils unterschiedlichen Symptomen. Diese zählen zu den häufigsten:

Paranoide Schizophrenie:

Diese Form der Schizophrenie ist meist durch Halluzinationen und Wahnvorstellungen gekennzeichnet. Bei etwa 80 Prozent der Betroffenen stellen sich vor allem akustische Halluzinationen ein. Dabei hören sie meist Stimmen, und halten diese für real. Das Gefühl, von anderen beeinflusst oder beobachtet zu werden („Ich-Störung“), steht ebenfalls häufig im Vordergrund der Symptomatik. Die Paranoide Schizophrenie ist die häufigste Form.

Schizophrenes Residuum:

Bei einem schizophrenen Residualzustand treten Persönlichkeitsveränderungen auf. Die Betroffenen werden immer passiver, ziehen sich zurück und zeigen eine sogenannte Negativsymptomatik. Diese Form der Schizophrenie tritt bei etwa 2/3 aller Patienten nach einer Akutphase der Schizophrenie auf und gleicht häufig dem Zustand einer mittelgradigen Depression, ist aber nach ICD10 nicht mit einer Depression gleichzusetzen. Zu den typischen Symptomen zählen u.a. Antriebslosigkeit, Konzentrationsstörung, gedrückte Stimmung oder mangelnde psychosoziale und körperliche Belastung.

Katatone Schizophrenie:

Bei der Katatonen Schizophrenie stehen vor allem psychomotorische Störungen, also Bewegungsauffälligkeiten, im Vordergrund. Hierzu zählen beispielsweise Störungen der Körperhaltung sowie der Bewegungsabläufe. Die Betroffenen verfallen in eine Art Starre, begleitet von Halluzinationen und Wahnvorstellungen. Häufig sind die Erkrankten in dieser Verfassung nicht mehr ansprechbar. Ein katatoner Zustand kann zu einem medizinischen Notfall werden. Diese Form der Schizophrenie ist sehr selten und tritt meist ebenfalls im jungen Erwachsenenalter auf.

Hebephrene Schizophrenie:

Die Hebephrene Schizophrenie zeigt sich vor allem in Sprach- und Antriebsstörungen sowie ungeordnetem und wirrem Denken. Häufig zeigen sich zuerst Konzentrationsstörungen und Symptome einer Depression, die sich z. B. in schlechter werdenden Noten in der Schule widerspiegeln. Aufgrund ihres meist für andere unverständlichen, bizarren Verhaltens fällt es den Erkrankten schwer, Freundschaften aufzubauen. Die Betroffenen neigen zudem dazu, sich sozial zurückzuziehen und vernachlässigen Aktivitäten und Hobbies. Diese Form der Schizophrenie tritt meist im jungen Erwachsenenalter auf (zwischen 15 und 25 Jahren).

Was sind mögliche Ursachen einer Schizophrenie?

Mögliche Ursachen einer Schizophrenie scheinen vor allem genetische Risiken, eine gewisse Anfälligkeit und Umweltfaktoren zu sein. Damit ist u. a. gemeint, dass sich Menschen nicht gut genug von äußeren Einflüssen abgrenzen können oder Schwierigkeiten haben, adäquat mit Stress umzugehen. Bei vielen Betroffenen kommt es auch häufig erstmalig zum Krankheitsausbruch, wenn es zu gravierenden Lebenseinschnitten oder Belastungen gekommen ist (z. B. Trennung, Tod eines Angehörigen, Prüfungsstress).

Wie häufig kommt die Schizophrenie in Deutschland vor und wen betrifft sie?

Weltweit ist etwa 1 Prozent der Bevölkerung von dieser Erkrankung betroffen. Bei Männern tritt die Erkrankung häufig früher auf (zwischen Pubertät und 25. Lebensjahr), während Frauen vorwiegend zwischen dem 25. – 35. Lebensjahr erkranken. Die Erkrankung verläuft außerdem unterschiedlich. Bei etwa einem Viertel der Betroffenen ist die Prognose günstig – die Schizophrenie ist nach ca. 10 – 15 Jahren nicht mehr nachweisbar. Die Hälfte der Erkrankten jedoch ist weiterhin und auch dauerhaft von Symptomen betroffen. Bei einem weiteren Viertel verschlimmert sich die Erkrankung im Laufe der Zeit.

Etwa 10 Prozent aller Menschen, die an einer Schizophrenie leiden, sterben durch Suizid. Deshalb ist es gerade bei dieser psychischen Erkrankung wichtig, das Thema Suizidialität offen anzusprechen, wenn sich erste Anzeichen zeigen.

Wie wird eine Schizophrenie behandelt?

Die Schizophrenie ist heute gut behandelbar und besteht meist aus einer individuell abgestimmten Therapie von Medikamenten, Psychotherapie und anderen, speziellen Therapien wie z. B. der Soziotherapie, Ergotherapie sowie Maßnahmen zur kognitiven Rehabilitation. Leider fehlt vielen Betroffenen in der Akutphase die Krankheitseinsicht, weshalb es häufig für die Angehörigen sehr schwierig ist, sie zu einem Arzt- oder Klinikbesuch zu bewegen.

Wichtig für den weiteren Krankheitsverlauf ist es, in nicht akuten Krankheitsphasen Symptome eines erneuten Beginns möglichst frühzeitig (z. B. erste Anzeichen wie Schlaf- und Ruhelosigkeit) wahrzunehmen und den Betroffenen zu veranlassen, sich in ärztliche Behandlung zu begeben. Oftmals kann so ein erneuter Schub verhindert oder zumindest abgemildert werden.

Wichtiger Hinweis:

Trotz der Bemühungen von Angehörigen, Freunden und Bekannten gelingt es nicht immer, einen akut psychotisch erkrankten Menschen von seiner Erkrankung und der Notwendigkeit einer Behandlung zu überzeugen. Für Angehörige bedeutet dies häufig, hilflos zuzusehen, wie der erkrankte Nahestehende leidet und sich trotzdem jeder Hilfe verweigert. Ein schwer auszuhaltender Zustand, insbesondere für Eltern, Partner und Kinder eines Erkrankten. Sie haben Angst, dass der Erkrankte sich und anderen emotional und sozial großen Schaden zufügen könnte.


Hilfreiche und weiterführende Links zum Thema Schizophrenie:


Tipps für Angehörige

Was kann ich als Angehöriger von jemandem tun, der von einer Schizophrenie / akuten Psychose betroffen ist?

  • Informieren Sie sich gut über das Krankheitsbild und die Therapie
    Für Menschen, die von einer Schizophrenie betroffen sind, sind unterstützende, soziale Netzwerke häufig ganz besonders wichtig. Andererseits stellt gerade diese Form der psychischen Erkrankungen eine besondere Herausforderung für die Angehörigen dar. Deshalb ist es sehr wichtig, wenn nicht voraussetzend, dass Sie sich intensiv mit dem Krankheitsbild, der Symptomatik und auch mit der Therapie auseinandersetzen. Fragen Sie in der psychiatrischen Klinik oder bei einem Sozialpsychiatrischen Dienst nach psychoedukativen Angeboten.
  • Bitten Sie darum, in die Behandlung mit einbezogen zu werden
    In vielen Kliniken wird bereits der sogenannte „Trialog“  gelebt. Das bedeutet, dass der Betroffene selbst, sein zuständiger Behandler, aber auch der Angehörige gleichermaßen in die Therapie involviert werden. Dies ist auf der Erfahrung begründet, dass gut informierte und engagierte Angehörige den Krankheitsverlauf des Erkrankten oftmals positiv beeinflussen können. Und auch die Angehörigen profitieren davon, mehr über die Therapie und Erkrankung zu erfahren, werden sicherer im Umgang mit der Situation und haben das Gefühl, „etwas tun zu können“. Voraussetzung hierfür ist allerdings die Zustimmung des Erkrankten selbst. Deshalb lohnt die konkrete Nachfrage, ob er oder sie möchte, dass Sie in das Behandlungsgeschehen involviert werden sollen.
  • Bleiben Sie im Gespräch, aber diskutieren Sie nicht
    Wenn ein Mensch eine akute Phase der Schizophrenie durchlebt, kann er von seinem Erleben sehr überzeugt sein. Vermeiden Sie es deshalb, ihn davon überzeugen zu wollen, dass dies falsch oder nicht real ist. Hören Sie vielmehr mit Interesse zu, um die gegenwärtige Realität des Betroffenen zu verstehen. Zeigen Sie Verständnis und sagen Sie ihm, dass Sie mit ihm darüber noch einmal sprechen möchten, wenn es ihm wieder etwas besser geht.
  • Achten Sie auf frühe Anzeichen eines erneuten Krankheitsschubs
    Ist eine akute Phase der Schizophrenie überstanden, gilt es, sich mögliche Anzeichen des erneuten Beginns einer Akutphase ins Gedächtnis zu rufen und entsprechend darauf zu achten. Dabei hilfreich könnte die Erstellung eines individuellen Krisenplans sein, in dem auch die sog. Frühwarnzeichen festgehalten sind. Diese frühen Anzeichen können z. B. Schlaf- oder Ruhelosigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten oder auch das Vernachlässigen von sonst üblichen Aktivitäten oder Kontakten sein. Nehmen Sie diese bei Ihrem Betroffenen wahr, sollten Sie nicht zögern und sie oder ihn darauf ansprechen. Motivieren Sie sie oder ihn dazu, sich baldmöglichst in Behandlung zu begeben.
  • Überfordern Sie sich nicht und ziehen Sie Grenzen
    Da eine akute Phase der Schizophrenie die Betroffenen häufig wiederholt trifft oder über einen längeren Zeitraum begleitet, ist es umso wichtiger, dass sich ihre Angehörigen einen langen Atem bewahren. Das bedeutet, dass Sie unbedingt Ihre Belastungsgrenzen kennenlernen und entsprechend handeln sollten. Je eher Sie einschreiten und u. a. auch Ihrem erkrankten Nahestehenden gegenüber Grenzen ziehen, desto mehr Energie haben Sie – auch auf lange Sicht – für sich selbst und den Betroffenen. Dazu gehört auch, dass Sie z. B. Ihren Hobbies und Freizeitaktivitäten weiterhin nachgehen und Ihre sozialen Kontakte pflegen.
  • Suchen Sie sich Unterstützung
    Im Rahmen einer wiederholten oder chronischen Schizophrenie ist es unumgänglich, dass meist auch die Angehörigen der davon Betroffenen dauerhaft Unterstützung und Ansprache benötigen. Als besonders hilfreich hat sich hierbei der Austausch mit anderen Angehörigen gezeigt, da diese häufig ähnliche Probleme und Nöte haben und man oftmals nicht viel erklären muss, um sich verstanden zu fühlen. Auch machen Angehörige unterschiedliche, hilfreiche Erfahrungen, von denen alle Beteiligten profitieren können. Wenn Sie Interesse an einem Beratungsgespräch oder einem Treffen in einer Selbsthilfegruppe mit anderen Angehörigen haben, können Sie sich hier gerne an uns wenden.
    Davon abgesehen gibt es für Angehörige auch noch weitere Anlaufstellen zur Unterstützung, z. B. bei einem nahegelegenen Sozialpsychiatrischen Dienst oder auch bei einem niedergelassenen Psychotherapeuten.
  • Nehmen Sie Alarmzeichen von Suizidgedanken ernst und werden Sie aktiv
    Nehmen Sie folgende Anzeichen ernst:
    - Äußerungen von Hoffnungslosigkeit wie z. B. „Mein Leben hat doch keinen Sinn mehr“ oder „Ich kann nicht mehr“.
    - Konkrete Suiziddrohungen oder Ankündigungen
    - Wenn der Betroffene plötzlich beginnt, Wertsachen zu verschenken oder wichtige Angelegenheiten zu regeln (z. B. Testament erstellen, Schulden bezahlen) sollten Sie hellhörig werden.Was ist zu tun:- Sprechen Sie Ihre Sorge direkt an
    Für viele Betroffene ist es eine Erleichterung, über ihre Suizidgedanken sprechen zu können. Scheuen Sie daher nicht, direkt zu fragen.

    - Holen Sie professionelle Hilfe
    Motivieren Sie den Betroffenen, professionelle Hilfe aufzusuchen. Diese finden Sie bei niedergelassenen Psychiatern oder Psychotherapeuten. Besteht ein Notfall oder muss es schnell gehen, wenden Sie sich an die nächste psychiatrische Klinik oder auch den Notarzt unter 112.

Benötigen Sie noch weitere Hilfe oder ein Beratungsgespräch?

Der Landesverband Bayern der Angehörigen psychisch Kranker e. V. bietet Angehörigen von psychisch erkrankten Menschen Hilfe und Unterstützung durch Einzelberatungen, Rechtsberatung, Seminare und Workshops und natürlich durch unsere bayernweiten Selbsthilfegruppen.

Hier finden Sie unseren Kontakt.

So bitte nicht

Folgende Äußerungen, auch wenn Sie gut gemeint sein mögen, sind wenig hilfreich und führen meist eher dazu, dass sich der erkrankte Mensch unverstanden fühlt und möglicherweise zurückzieht:

  • „Du bist doch so intelligent. Du musst dein Studium fortsetzen.“
  • „Das bildest du dir nur ein.“
  • „Du MUSST deine Tabletten nehmen.“
  • „Du bist so träge geworden. Beweg dich mehr!“

Besser so

„Das mit deinen Konzentrationsstörungen ist wirklich ein Problem. Schade, dass du deswegen zurzeit dein Studium nicht mehr fortsetzen kannst. Es hat dir so viel Freude bereitet. Hast du mit deinem Arzt schon über die Möglichkeiten gesprochen, wie du deine Konzentrationsfähigkeit trainieren kannst?  Ich habe gelesen, dass es da gute Möglichkeiten gibt. Wir können auch gerne zusammen im Internet nachschauen und etwas Passendes für dich raussuchen. Und für das Ziel, deinem gewünschten Beruf etwas näher zu kommen, lohnt es sich!“

„Ich kann die Geräusche, von denen du mir berichtest, gar nicht hören. Trotzdem kann ich mir gut vorstellen, wie lästig das für dich sein muss, immer gestört zu werden. Hilft es dir vielleicht, wenn du über Kopfhörer Musik hörst oder ein Hörbuch, damit es nicht so quälend für dich ist?“

„Über deine Medikation haben wir schon oft gesprochen. Beide wissen wir, dass diese gegen deine Psychose sehr wirksam ist. Ich wäre froh, wenn du sie weiter nehmen würdest, weil ich mich noch gut an die Zeiten erinnern kann, als du in der Klinik warst und so sehr unter der Unruhe und deinen Ängsten gelitten hast, und ich mit dir. Wenn sich das irgendwie vermeiden lässt, wäre das prima für uns. Kannst du nicht mal mit anderen sprechen, wie die mit den Nebenwirkungen besser zurechtkommen oder mit welchen Medikamenten sie gute Erfahrungen gemacht haben? Da gibt es doch auch Selbsthilfegruppen und die Psychose-Seminare. Vielleicht magst du da mal hingehen.“

„Bewegung – das ist so ein heikles Thema, über das ich trotzdem mal mit dir sprechen wollte. Ich weiß, dass dir die Kilos, die du aufgrund der Psychopharmaka zugenommen hast und die Antriebslosigkeit sehr zu schaffen machen. Ich kenne das ja selbst, wie schwer es für mich manchmal ist, mich für einen Spaziergang aufzuraffen. Allerdings fühle ich mich nachher wirklich immer wohler. Was hältst du davon, wenn du mich jedes zweite Mal, wenn ich rausgehe, auf eine kleine Runde begleitest. Ich verspreche dir, wir spazieren nicht lange und auch nicht schnell. Ich bin mir sicher, dir wird es gehen, wie mir: nachher bist du stolz und zufrieden.“