Persönlichkeitsstörungen

Bei Menschen mit einer Persönlichkeitsstörung sind bestimmte Merkmale der Persönlichkeitsstruktur und des Verhaltens besonders ausgeprägt, unflexibel, starr und nur bedingt anpassungsfähig. Dies bedeutet, dass das Verhalten oder Empfinden deutlich von den Erwartungen der Gesellschaft und des sozialen Umfelds abweicht. Da dies unweigerlich immer wieder zu Problemen im zwischenmenschlichen Bereich führt, ist die Lebensqualität der Betroffenen meist erheblich beeinträchtigt. Nicht selten haben Betroffene mehr als eine Form der Persönlichkeitsstörung.

Wer ist von einer Persönlichkeitsstörung betroffen und was sind die Auslöser?

In Deutschland leiden etwa 10 Prozent aller Menschen unter einer Persönlichkeitsstörung. Unter psychiatrischen Patienten macht die Diagnose sogar mehr als die Hälfte der Betroffenen aus. Persönlichkeitsstörungen treten meistens im späteren Jugend- bzw. frühen Erwachsenenalter auf. Persönlichkeitsstörungen entstehen aus dem Zusammenspiel von Genen und Umwelt. Dies bedeutet, dass manche Menschen mit der genetischen Veranlagung, eine Persönlichkeitsstörung zu entwickeln, geboren werden und diese Veranlagung kann durch Umweltfaktoren entweder unterdrückt oder verstärkt werden. Man schätzt, dass Gene und Umwelt etwa gleich zur Entwicklung von Persönlichkeitsstörungen beitragen können.

Wie werden Persönlichkeitsstörungen behandelt?

Die Behandlung von Persönlichkeitsstörungen erfolgt in erster Linie mittels psychotherapeutischer Verfahren wie z. B. der Psychoanalyse oder einer kognitiven Verhaltenstherapie und ist meist langwierig.


Welche sind die häufigsten Persönlichkeitsstörungen?

Abhängige Persönlichkeitsstörung

Die Abhängige Persönlichkeitsstörung (oder auch Dependente Persönlichkeitsstörung) ist, wie bereits im Titel stehend, von großer Abhängigkeit von anderen Menschen gekennzeichnet. Die Betroffenen verhalten sich passiv, es mangelt ihnen an Selbstbewusstsein und sie neigen zu Unterwürfigkeit. Um niemanden zu „verprellen“ und um nicht verlassen zu werden, passen sie sich bis zur Selbstaufgabe an. Entsprechend selten bis gar nicht formulieren sie eigene Ansprüche oder Bedürfnisse. Sie klammern sich an nahestehende Menschen und zeigen kaum Eigeninitiative. Ihr oberstes Ziel ist es, sich umsorgt zu fühlen. Sie übernehmen ungern Verantwortung und wenn doch, schieben sie diese bei eigenen Fehlern oder Missgeschicken gerne anderen zu.

Sie haben große Trennungsängste und fallen in ein tiefes, emotionales Loch, wenn eine Beziehung tatsächlich endet. Häufig sind sie von einer depressiven Grundstimmung betroffen und erkranken im Laufe ihres Lebens häufiger an Angststörungen.

Aktuell geht man davon aus, dass 1 -2 Prozent der Bevölkerung von einer dependenten Persönlichkeitsstörung betroffen sind.

Hilfreiche und weiterführende Links bei einer Abhängigen Persönlichkeitsstörung:


Borderline-Persönlichkeitsstörung

Die Borderline-Persönlichkeitsstörung gehört zur Gruppe der emotional instabilen Persönlichkeitsstörungen und ist durch Impulsivität und Instabilität von Emotionen und Stimmungen gekennzeichnet. Borderline-Patienten leiden unter der Unfähigkeit, ihre inneren gefühlsmäßigen Zustände zu kontrollieren. Beziehungen zu anderen Menschen sind zwar intensiv, aber auch instabil. Die Angst vor dem Verlassenwerden steht bei den Betroffenen meist im Vordergrund. Extreme Stimmungs- und Gefühlsschwankungen führen bei Menschen mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung häufig zu Gefühlen von großer innerer Anspannung, die als unerträglich empfunden werden. Um die Anspannung zu verringern, kommt es häufig zu Selbstverletzungen, Drogenkonsum oder auch risikoreichen Aktivitäten. Da diese Maßnahmen häufig zu einer schnellen Linderung führen, entwickelt sich daraus schnell ein problematisches Suchtverhalten. Die Betroffenen leiden zudem oft unter massiven Ängsten vor dem Alleinsein und instabilen Beziehungen. In Deutschland sind etwa 3 Prozent der Bevölkerung von einer Borderline-Persönlichkeitsstörung betroffen. Sie tritt meist im Jugendalter auf und beruhigt sich bis Anfang der 30er Jahre. Frauen erkranken häufiger als Männer. Männer zeigen öfter fremdagressives Verhalten.

Es gilt als gesichert, dass ein Zusammenspiel zwischen genetischen Faktoren und in vielen Fällen frühen traumatischen Erfahrungen für die Entstehung der Borderline-Störung verantwortlich ist.

Hilfreiche und weiterführende Links zur Borderline-Persönlichkeitsstörung:


Histrionische Persönlichkeitsstörung

Menschen mit dieser Persönlichkeitsstörung neigen zu egozentrischem, dramatischem und theatralischem Verhalten. Im Vordergrund steht ein enormes Bedürfnis nach Aufmerksamkeit, Anerkennung und Lob. Um möglichst viel im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit ihrer Mitmenschen zu stehen, schrecken Personen mit einer Histrionischen Persönlichkeitsstörung auch nicht vor manipulativen Methoden zurück (z. B. führen sie eine Krise herbei oder werden krank). Menschen mit einer Histrionischen Persönlichkeitsstörung wirken auf andere häufig oberflächlich.

Sie befassen sich viel mit Ihrem Äußeren und setzen dieses auch bewusst ein, um mehr Beachtung zu finden. Häufig deuten sie in eher flüchtige Bekanntschaften schnell mehr hinein, als wirklich vorhanden ist.

Diese Form der Persönlichkeitsstörung kommt bei etwa 2 – 3 Prozent der Bevölkerung vor, wobei Männer und Frauen ähnlich häufig davon betroffen sind.

Hilfreiche und weiterführende Links zur Histrionischen Persönlichkeitsstörung:


Narzisstische Persönlichkeitsstörung

Ist jemand von einer Narzisstischen Persönlichkeitsstörung betroffen, zeigt sich dies meist in einem stark Ich-bezogenen Verhalten und dem steten Bedürfnis danach, bewundert zu werden, im Mittelpunkt zu stehen und der Idealisierung des eigenen Seins und Tuns. Menschen mit einer Narzisstischen Persönlichkeitsstörung glauben von sich häufig, einzigartig und besonders zu sein und erwarten daher auch eine besondere Behandlung. Ähnlich wie bei der Antisozialen Persönlichkeitsstörung neigen sie dazu, andere Menschen für ihre Zwecke auszunutzen. Auch fehlt es ihnen häufig an Einfühlungsvermögen und sie empfinden schnell Neid.

Entgegen früherer Annahmen, Menschen mit einer Narzisstischen Persönlichkeitsstörung hätten ein ausgeprägtes Selbstwertgefühl, geht das Persönlichkeitsbild eher mit einem erniedrigten Selbstwert einher.

Menschen mit einer Narzisstischen Persönlichkeitsstörung begeben sich selten aus eigenem Antrieb in eine psychotherapeutische Behandlung, da sie diese für nicht notwendig erachten. Meist werden sie erst durch den Druck der nächsten Angehörigen oder Lebenspartner vorstellig oder kommen wegen einer anderen psychischen Störung wie z. B. Ängsten oder Depressionen zum Psychotherapeuten oder Psychiater.

Von einer Narzisstischen Persönlichkeitsstörung sind bundesweit zwischen 0,5 - 2,5 Prozent der Bevölkerung betroffen. Etwa drei Viertel davon sind Männer. Häufig wird die Narzisstische Persönlichkeitsstörung auch zusammen mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung beobachtet.

Hilfreiche und weiterführende Links zur Narzisstischen Persönlichkeitsstörung:


Schizotypische Persönlichkeitsstörung

Menschen mit einer Schizotypischen Persönlichkeitsstörung sind gerne für sich allein, pflegen kaum bis gar keine Kontakte, bis auf die innerhalb der eigenen Familie. Sie wirken häufig abweisend und fallen durch ihr exzentrisches und manchmal seltsames Verhalten auf. Sie neigen dazu, Ereignisse mit einer besonderen, speziell auf eine Person bezogenen Bedeutung zu sehen, entwickeln seltsame Ideen, die von „magischem Denken“ geprägt sind. Sie denken bisweilen, Dinge voraussagen oder Gedanken lesen zu können.

Insgesamt fallen Menschen mit dieser Persönlichkeitsstörung häufig durch ein deutlich abweichendes Verhalten und Äußeres auf. Ihre Sprach- und Denkweise wirkt manchmal abstrakt oder auch umständlich. Und auch ihr äußeres Erscheinungsbild ist meist ungepflegt oder vernachlässigt. Sie zeigen oft Misstrauen oder leiden unter paranoiden Vorstellungen.

Im sozialen Miteinander zeigen sie sich ängstlich und unbeholfen – vor allem, wenn fremde Personen anwesend sind. Durch ihre Persönlichkeitsstörung bedingt, empfinden sie sich selbst häufig als „anders“, nicht zugehörig.

Die Schizotypische Persönlichkeitsstörung hat gewisse Ähnlichkeit mit der paranoid-halluzinatorischen Schizophrenie und wird daher oft verwechselt.

Laut neuerer Studien betrifft diese Persönlichkeitsstörung etwa 0,5 bis 1 Prozent der Bevölkerung.

Hilfreiche und weiterführende Links zur Schizotypischen Persönlichkeitsstörung:


Selbstunsichere Persönlichkeitsstörung

Typisch für die selbstunsichere oder auch ängstlich-vermeidende Persönlichkeit ist, dass sie sich unsicher, unattraktiv und minderwertig fühlt. Aus Angst vor Kritik oder Zurückweisung meidet sie soziale Kontakte und isoliert sich dadurch häufig. Sie ist gehemmt, schüchtern und gerät schnell in Selbstzweifel. Überhaupt wirkt sie im sozialen Miteinander häufig angespannt und distanziert.

Interessanterweise werden Menschen mit einer selbstunsicheren Persönlichkeit von anderen häufig sehr positiv gesehen, da sie ihre vermeintlichen Unzulänglichkeiten und Schwächen meist mit einem hohen Leistungsbewusstsein und Aufopferungsbereitschaft zu kompensieren versuchen. Auch drängen sie sich aufgrund ihrer bestehenden Ängste selten in den Vordergrund, wirken bescheiden und sind äußerst verlässlich.

Diese Form der Persönlichkeitsstörung kommt bei etwa 1 – 2 Prozent der Bevölkerung vor und geht ebenfalls häufig mit Depressionen und Angststörungen einher. Auch trifft man sie oft bei Menschen mit einer bestehenden Borderline-Persönlichkeitsstörung oder einer abhängigen Persönlichkeitsstörung an.

Hilfreiche und weiterführende Links zur Selbstunsicheren Persönlichkeitsstörung:


Zwanghafte Persönlichkeitsstörung

Menschen mit einer Zwanghaften Persönlichkeitsstörung, haben das dringende Bedürfnis, alles kontrollieren zu wollen und Ordnung zu halten. Dazu erstellen sie u. a. Regeln, Abläufe oder Zeitpläne. Wieder und wieder überprüfen sie bereits durchgeführte oder abgeschlossene Handlungen, um Fehler zu vermeiden. Ihre Detailverliebtheit und der damit häufig einhergehende Perfektionismus lässt sie bei Aktivitäten oder Projekten mitunter das Wesentliche nicht mehr erkennen – zu sehr liegt die Konzentration darauf, dass alles korrekt und auf eine spezifische Weise durchgeführt wird.

Leider führt dieses Verhalten zu einem unguten Zeitmanagement. So kann sich die Fertigstellung eines Projekts auf ungewisse Zeit hinauszögern, da alles perfekt sein muss. Dies wirkt sich häufig ungünstig auf die Zusammenarbeit in einem Team von Mitarbeitern aus. Zudem neigen sie dazu, alles andere in ihrem Leben zu vernachlässigen, wenn sie sich einer Aufgabe gewidmet haben.

Da sie häufig auf einen bestimmten Ablauf bestehen, wie Dinge angegangen und bearbeitet werden sollen, delegieren sie Aufgaben nur selten an andere – zu groß ist der Drang danach, kontrollieren zu wollen, ob auch alles nach ihrer Vorgehensweise ausgeführt wird.

Menschen mit einer zwanghaften Persönlichkeit sind stark auf ihre berufliche Tätigkeit fixiert, ohne dabei finanziell motiviert zu sein. Stattdessen führt diese Fixierung zu einer Vernachlässigung des Privatlebens, Beziehungen und Freizeitaktivitäten. Kommt es dennoch zu Freizeitaktivitäten, werden diese ebenso perfektionistisch angegangen wie im Berufsleben.

Ein weiterer Wesenszug ist das stete Vorausplanen von noch so kleinen Details und Aktivitäten. Dabei zeigen sie sich allerdings äußerst unflexibel, sollten sich noch Änderungen ergeben.

Schätzungen zufolge sind etwa 2 bis 8 Prozent der Bevölkerung von einer Zwanghaften Persönlichkeitsstörung betroffen, während Männer häufiger als Frauen daran leiden.

Die Zwanghafte Persönlichkeitsstörung ist nicht mit einer Zwangsstörung zu verwechseln, die nochmals ein anderes Krankheitsbild darstellt.

Hilfreiche und weiterführende Links zur Zwanghaften Persönlichkeitsstörung:


Tipps für Angehörige

Was kann ich als Angehöriger von jemandem tun, der von einer Persönlichkeitsstörung betroffen ist?

  • Informieren Sie sich gut über die jeweilige Persönlichkeitsstörung
    Grundsätzlich ist der Übergang zwischen gesundem Verhalten und einer Persönlichkeitsstörung fließend. Jeder von uns weist gewisse Merkmale von einer oder mehreren der vorstehend beschriebenen Persönlichkeitsstörungen auf, ohne deshalb gleich behandlungsbedürftig oder krank sein zu müssen. Eine Persönlichkeitsstörung erhält dann einen krankheitswert, wenn sie zu einem entsprechenden Leidensdruck für den Betroffenen und / oder das soziale Umfeld führt. Da es viele unterschiedliche Persönlichkeitsstörungen gibt, und diese in Art und Weise aber auch Ausprägung stark differieren, ist es notwendig, sich gut über das jeweilige Persönlichkeitsbild zu informieren. Nutzen Sie dazu nicht nur Informationen aus dem Internet – fragen Sie auch bei Selbsthilfegruppen und bei einem Arzt nach, wie Sie in Ihrem Fall am besten damit umgehen sollten. Versuchen Sie als Laie nicht selbst, eine entsprechende Diagnose zu stellen.
  • Haben Sie Geduld und überfordern Sie sich nicht
    Eine Persönlichkeitsstörung begleitet den Betroffenen häufig ein Leben lang. Das bedeutet nicht, dass er darunter dauerhaft leiden und entsprechend behandelt werden muss. Viele Persönlichkeitstypen benötigen nur hin und wieder Unterstützung und kommen bisweilen auch über lange Strecken oder auch dauerhaft gut alleine damit klar. Je länger sie sich mit ihrem Persönlichkeitsbild beschäftigen, desto besser kennen sie dieses auch und entwickeln häufig Strategien, um besser damit umzugehen. Dennoch wird man sich z. B. als Partner oder Elternteil darauf einstellen müssen, sich dauerhaft mit der jeweiligen Problematik auseinandersetzen zu müssen. Ihre Aufgabe sollte es allerdings nicht sein, einen Psychotherapeuten zu ersetzen. Wenn es daher zu größeren Belastungen kommt, legen Sie dem Betroffenen ans Herz, einen Psychotherapeuten aufzusuchen.
  • Suchen Sie sich Hilfe und ziehen Sie Grenzen
    Es gibt Persönlichkeitsstörungen, welche die Angehörigen bis an ihre Belastungsgrenzen bringen können. Umso wichtiger ist es, möglichst früh zu erkennen, wo diese liegen und Grenzen zu ziehen. Suchen Sie sich Hilfe und Unterstützung, entweder in Form von Selbsthilfegruppen bei anderen Angehörigen oder im Rahmen eines Beratungsgesprächs (z. B. bei uns) oder bei einem niedergelassenen Psychologen.

Benötigen Sie noch weitere Hilfe oder ein Beratungsgespräch?

Der Landesverband Bayern der Angehörigen psychisch Kranker e. V.  bietet Angehörigen von psychisch erkrankten Menschen Hilfe und Unterstützung durch Einzelberatungen, Rechtsberatung, Seminare und Workshops und natürlich durch unsere bayernweiten Selbsthilfegruppen.

Hier finden Sie unseren Kontakt.

So bitte nicht

Folgende Äußerungen, auch wenn Sie gut gemeint sein mögen, sind wenig hilfreich und führen meist eher dazu, dass sich der erkrankte Mensch unverstanden fühlt und möglicherweise zurückzieht:

  • „Mach dich doch nicht abhängig von anderen Menschen.“
  • „Hör auf, alles überzubewerten.“
  • „Beziehe nicht alles auf dich.“
  • „Du musst mehr aus dir rausgehen.“